Herzrhythmusstörungen können auf einen gestörten Elektrolythaushalt zurückzuführen sein. Eine Blutuntersuchung gibt jedoch nur begrenzt Auskunft über die Kalium- und Magnesiumversorgung. Beide Mineralstoffe befinden sich überwiegend (zu 98 bzw. 95 Prozent) in den Zellen und nur zu einem kleinen Prozentsatz im Blutserum. D. h., selbst wenn in den Zellen eine Unterversorgung vorliegt, können die Blutwerte noch im Normbereich sein. Bei Kalium liegt dieser zwischen 3,6 und 4,8 mmol/l, bei Magnesium zwischen 0,7 und 1,05 mmol/l.

Mineralstoffe und Herzrhythmus

Die Antwort auf die Frage, warum bestimmte Mineralstoffe so wichtig für den Herzschlag sind, liefert der komplizierte biochemische Vorgang der Erregungsbildung und elektrischen Reizweiterleitung. Die Pumptätigkeit des Herzens, also das Entspannen und Anspannen der Herzmuskelzellen, beruht im Wesentlichen auf Interaktionen zwischen verschiedenen elektrisch geladenen Teilchen (Ionen) in und außerhalb der Zelle. Diese Aufgabe übernehmen die Elektrolytionen Natrium (Na+), Kalium (K+), Calcium (Ca2+) und Magnesium (Mg2+).

Entscheidend für das Zusammenspiel der Elektrolyte ist ihre Verteilung und ihr ausgewogenes Mengenverhältnis. Dies wird über die Zufuhr von Mineralstoffen durch die Nahrung und die Ausscheidung, größtenteils über die Nieren, aber auch über die Verdauung und die Haut, reguliert. Allerdings beeinflussen einige Erkrankungen, die Einnahme von Medikamenten sowie Auswirkungen unseres Lebensstils die Konzentration einzelner Elektrolyte. Kommt es zu deutlichen Abweichungen – insbesondere der Kalium- und Magnesiumwerte –, gerät unser Herz aus dem Takt.

Kalium

Herzrhythmusstörungen sind das Hauptsymptom bei Kaliummangel. Nach starkem Kaliumverlust, z. B. durch Brechdurchfall, fühlen wir uns körperlich schwach und zittrig.

Kalium ist der wichtigste Elektrolyt innerhalb der Körperzellen und wird dort maßgeblich für die Reizbildung und -weiterleitung benötigt. Darüber hinaus ist es an vielen weiteren Prozessen in den Zellen beteiligt und damit unentbehrlich für die Aufrechterhaltung verschiedener Körperfunktionen. Für all das ist stets eine bestimmte Menge Kalium im Blut erforderlich. Ein Mangel wirkt sich besonders in den Nerven- und Muskelzellen aus, die dann nicht mehr richtig angeregt werden. Das kann sich durch Müdigkeit, nachlassende Konzentrationsfähigkeit und Muskelschwäche bemerkbar machen und – sofern die Aktivität der Herzmuskulatur beeinträchtigt ist – Herzrhythmusstörungen auslösen.

Kalium

  • ist für Reizbildung und -weiterleitung in Nerven- und Muskelzellen notwendig,
  • beeinflusst bestimmte Zellen, die unsere Blutgefäße schützen,
  • sorgt, wenn es in einem ausgewogenen Verhältnis zu Natrium vorliegt, für stabilen Blutdruck,
  • hat Einfluss auf die Freisetzung von Hormonen,
  • reguliert das Säuren- Basen-Gleichgewicht,
  • ist an der Bildung von Eiweißen und der Verwertung von Kohlenhydraten beteiligt,
  • hat positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, da es eine erhöhte Calciumausscheidung verhindert.

Kaliumbedarf

Im Gegensatz zu anderen Mineralstoffen kann Kalium nicht gespeichert und im Bedarfsfall vom Körper freigesetzt werden. Aufgenommenes Kalium, das nicht direkt gebraucht wird, scheidet unser Körper über den Urin wieder aus. Eine einmalig höhere Kaliumzufuhr nützt daher wenig, vielmehr müssen wir regelmäßig eine ausreichende Menge über unsere Nahrung aufnehmen.

Das Food and Nutrition Board der USA und Kanadas empfiehlt Erwachsenen eine Einnahme von 4,7 Gramm proTag. Diese Kaliummenge ist aufgrund neuer Erkenntnisse erforderlich, um chronischen Erkrankungen wie erhöhtem Blutdruck, Kochsalzsensitivität, Nierensteinen, Verlust an Knochenmasse oder Schlaganfällen vorzubeugen, sie zu vermindern oder zu verzögern. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat aufgrund der Studienlage ihre Richtlinien für die Zufuhr von Kalium geändert. Die WHO-Empfehlung lautet nun: täglich mindestens 3,5 Gramm Kalium, sofern maximal 2 Gramm Natrium aufgenommen werden. Bei höherer Aufnahme von Natrium sollte auch mehr Kalium zugeführt werden.

Kaliumreiche Nahrungsmittel

Sehr hoher Kaliumgehalt (über 800 mg/100 g)

• Sojabohnen • Hülsenfrüchte • Bohnen • Weizenkleie • Getrocknete Aprikosen • Pistazien • Tomatenmark • Kakao

Hoher Kaliumgehalt (ca. 400 bis 800 mg/100 g)

• Fenchel • Frischer Spinat • Pilze • Kartoffeln • Vollkornprodukte • Nüsse • Trockenfrüchte • Bananen

Mittelhoher Kaliumgehalt (ca. 200 bis 400 mg/100 g)

• Sellerie • Blumenkohl • Brokkoli • Pflaumen • Kiwi

(Tagesbedarf: 2000 bis 4000 mg)

Der tägliche Kaliumbedarf eines gesunden Menschen liegt laut Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zwischen 2 und 4 Gramm. Wer viel frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf seinem Speiseplan hat, wird diesen Bedarf decken können. Allerdings gibt es neue Erkenntnisse (siehe Kasten), die u. a. aufgrund unserer heutigen Ernährungsweise eine höhere Kaliumzufuhr nahelegen. So nehmen wir durch unsere salzreiche Kost vermehrt Natrium auf und schaden damit dem gesunden Natrium-Kalium- Verhältnis. Außerdem führt ein hoher Anteil an tierischen Eiweißen zu einer vermehrten Säurebildung. Wenn wir dies nicht durch die Zufuhr von basenbildenden Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium oder Calcium entsprechend ausgleichen, ist das Säuren-Basen- Gleichgewicht gestört.

Angepasst an unsere Ernährungsweise, ist ein höherer Bedarf an Kalium bei bestimmten Erkrankungen gegeben und immer dann, wenn vermehrt Kalium ausgeschieden wird. In diesen Situationen gilt es, die Kaliumzufuhr zu kontrollieren und ggf. zu erhöhen.

Ein Überversorgung mit Kalium ist sehr selten, da zu viel zugeführtes Kalium komplett über die Nieren wieder ausgeschieden wird. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sowie als Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten kann die Kaliumausscheidung reduziert sein, so dass sich der Kaliumspiegel erhöht. Dies setzt die Erregbarkeit des Herzmuskels herab und verlangsamt den Herzschlag.

Der Kaliumbedarf kann erhöht sein bei:

  • Belastungssituationen, Stress,
  • vermehrten Kaliumverlusten durch Magen-Darm-Infekte mit Erbrechen, Durchfall oder bei starkem Schwitzen,
  • Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika),
  • Einnahme von Abführmitteln,
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Bluthochdruck,
  • Diabetes.

Magnesium

Nach Kalium ist Magnesium der zweitwichtigste Elektrolyt innerhalb der Körperzellen. Es ist ebenfalls für die Erregungsleitung der Nervenzellen und die Muskelarbeit notwendig und hat damit Einfluss auf unseren Herzschlag. Außerdem wird Magnesium für zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt und sorgt u. a. für die Energieversorgung der Zellen.

Magnesium

  • ist für Erregungsbildung und -leitung der Nerven- und Muskelzellen notwendig,
  • stabilisiert die Zellmembranen,
  • stellt Energie für die Körperzellen bereit,
  • ist wichtig für das Elektrolytgleichgewicht, insbesondere als Gegenspieler von Calcium,
  • trägt zur Knochenfestigkeit bei,
  • aktiviert und ist Bestandteil von Enzymen.

Magnesiumreiche Nahrungsmittel

Sehr hoher Magnesiumgehalt (über 200 mg/100 g)

• Kürbis- und Sonnenblumenkerne • Mandeln • Kakao • Weizenkleie

Hoher Magnesiumgehalt (ca. 100 bis 200 mg/100 g)

• Nüsse • Haferflocken • Hirse • Reis • Mais

Mittelhoher Magnesiumgehalt (ca. 50 bis 100 mg/100 g)

• Vollkornprodukte • Mangold • Spinat • Erbsen • Krabben • Karpfen • Forelle

(Tagesbedarf: 300 bis 400 mg)

Magnesiumbedarf

Der tägliche Bedarf an Magnesium hängt vom Alter und den Lebensumständen ab. Jugendliche und Erwachsene benötigen zwischen 300 und 400 Milligramm pro Tag. In der Schwangerschaft und Stillzeit, in sportlich aktiven Phasen und bei langandauerndem Stress ist der Bedarf erhöht. Normalerweise gelingt es aber auch dann, durch eine ausgewogene und bewusst mineralstoffhaltige Ernährung ausreichend Magnesium aufzunehmen. Kritisch kann es bei einigen Erkrankungen, u. a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, oder der Einnahme von bestimmten Medikamenten sein.

Kurzfristig kann unser Körper eine unzureichende Magnesiumzufuhr ausgleichen, indem er auf Reserven zurückgreift. Er hat etwa 20 bis 25 Gramm Magnesium gespeichert, das meiste davon in den Knochen. Eine längere Unterversorgung lässt sich daher häufig erst feststellen, wenn die Speicher bereits deutlich geleert sind. Typische Anzeichen für einen Mangel sind Herzrhythmusstörungen, Herzschmerzen, Muskelkrämpfe, Muskelzucken, Kopfschmerzen, Migräne, Unruhe, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit sowie erhöhte Stressanfälligkeit. Aber auch Lustlosigkeit bis hin zur Depression können Folgen eines Magnesiummangels sein.

Ein Überschuss an Magnesium ist selten, da der Körper zu viel aufgenommenes Magnesium einfach ausscheidet. Bei einer zu hohen Dosierung können als Nebenwirkung weicher Stuhl oder Durchfall auftreten.

Der Magnesiumbedarf kann erhöht sein bei:

  • Stress, innerer Anspannung,
  • vermehrtem Schwitzen (Sport),
  • Einnahme von harntreibenden Medikamenten (Diuretika),
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems,
  • Herzrhythmusstörungen,
  • Bluthochdruck,
  • Diabetes,
  • Migräne,
  • übermäßigem Alkoholkonsum.

Kalium und Magnesium – unentbehrlich für Ihr Herz

Für die Funktionstüchtigkeit der Zellen – das gilt insbesondere für die Erregung der Nerven- und Herzmuskelzellen – müssen Kalium und Magnesium im richtigen Verhältnis vorliegen.

Da beide Mineralstoffe für die Herzfunktion von wesentlicher Bedeutung sind, sollten Patienten mit Herzerkrankungen ihre Kalium- und Magnesiumspiegel regelmäßig kontrollieren und die Herzerkrankung vom Arzt abklären lassen.

Kann trotz ausgewogener und bewusster Ernährung der Bedarf an Kalium und Magnesium nicht gedeckt werden, ist oftmals die Einnahme einer diätetischen Nährstoffergänzung sinnvoll – idealerweise in einer abgestimmten Kalium- Magnesium-Kombination.

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